Altenahr

Wenn Winzer sich zusammenschließen

Autor: 
dpa
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
07. September 2018
Ansicht eines Weinkellers der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr.

Ansicht eines Weinkellers der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr. ©dpa - Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr

«Was einer nicht schafft, das schaffen viele» – diesem Ideal der Genossenschaftsbewegung folgen zahlreiche deutsche Winzer. Die älteste Winzergenossenschaft Deutschlands wird jetzt 150 Jahre alt.

Ende 1868 waren es 18 Winzer in Mayschoß in Rheinland-Pfalz, die im unteren Ahrtal den Anstoß des Sozialreformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888) aufnahmen und sich zusammenschlossen. «Sie waren in der damaligen Wirtschaftskrise nicht in der Lage, ihren Wein mit Gewinn zu vermarkten», erklärt der Chef der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr, Matthias Baltes. Nach dem Vertrieb wurde dann auch die Kellerwirtschaft, also der Ausbau der Weine im Fass, von der Genossenschaft übernommen. So konnten sich die Winzer ganz auf die Arbeiten im Weinberg konzentrieren.

Inzwischen gibt es in Deutschland nach Angaben des Deutschen Weininstituts 160 Genossenschaften mit einem Umsatz von 800 Millionen Euro. Nahezu 30 Prozent der gesamten Weinerzeugung in Deutschland entfallen auf die genossenschaftliche Produktion. Schwerpunkt ist Baden-Württemberg mit 115 Genossenschaften. Dem Konzentrationsprozess in der Weinbranche insgesamt konnten sich auch die Genossenschaften nicht entziehen. So gab es 1960 noch 543 Winzergenossenschaften, davon 441 mit eigener Kellerwirtschaft. Bis in dieses Jahrzehnt hinein verringerte sich die Zahl der Genossenschaften durch Fusionen. Die von ihnen bewirtschaftete Rebfläche erreichte 1990/91 mit 37.148 Hektar ihren Höhepunkt, gegenwärtig sind es mehr als 28.000 Hektar.

 

Größere Produktionsmengen, die besser auf dem Markt angeboten werden können.

«Der Zusammenschluss zu einer Genossenschaft führt zu größeren Produktionsmengen, die besser auf dem Markt angeboten werden können», erklärt der rheinland-pfälzische Weinbauminister Volker Wissing (FDP) nach einem Besuch bei der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr. «Einheitliche Produktlinien stärken den Marktauftritt und erhöhen die Wahrnehmung bei den Konsumenten.» Eine Genossenschaft biete somit gerade kleineren Betrieben eine wirtschaftliche Perspektive. Wenn die Genossenschaft überbetriebliche Aufgaben wie den Ausbau der Weine, Marketing und Vertrieb übernehme, könnten sich die Winzer ganz auf die Pflege ihrer Weinreben konzentrieren.

«Die Genossenschaft hat den Vorteil, größere Mengen gleichbleibend auch mit hohen Qualitäten zu produzieren», sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Kein einzelnes Weingut könne sich so viele Mitarbeiter leisten wie eine Winzergenossenschaft. Bei größerer Menge seien Investitionen etwa in die Kellertechnik eher profitabel, auch könnten Maschinen effizienter ausgelastet werden.

- Anzeige -

«Keiner unserer 50 Winzer könnte die immensen Investitionen in Technik und Vermarktung alleine stemmen», sagt Bastian Klohr, Geschäftsführer der 116 Jahre alten Winzergenossenschaft Weinbiet Manufaktur in Neustadt an der Weinstraße im südlichen Rheinland-Pfalz. «Jeder macht in der Arbeitsteilung, was er am besten kann.» Die Genossenschaft mit einer Weinbergsfläche von 325 Hektar sieht sich als Non-Profit-Einrichtung im Dienste ihrer Mitglieder. Die Erträge aus dem Weinverkauf werden an die Winzer verteilt, nach den Anteilen der von ihnen gelieferten Trauben. Für die Genossenschaft bleibt eine «schwarze Null».

 

Müssen den Vergleich mit französischen Rotweinen nicht scheuen.

Mit einer Rebfläche von 150 Hektar gehört die Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr zu den kleineren Genossenschaften. Sie beschäftigt 33 festangestellte Mitarbeiter und etwa 100 Menschen mit geringfügiger Beschäftigung. Die Genossenschaft zählt 444 Mitglieder, von denen etwa die Hälfte aktive Winzer sind. Die übrigen sind oft ehemalige Winzer, die den Nebenerwerb aufgegeben haben, aber weiter mit der Genossenschaft verbunden bleiben wollen. Innerhalb der Genossenschaft gebe es eine gewisse Verschiebung hin zu größeren Betrieben, sagt Baltes. In den Steillagen des Ahrtals aber werde der Weinbau meist von kleinen Nebenerwerbswinzern betrieben, vielfach mit weniger als einem halben Hektar.

Unglücklich sind die Genossenschaften mit dem bei manchen Weintrinkern verfestigten Vorurteil einer vermeintlich schlechteren Qualität von Genossenschaftsweinen. «Die Weine von Genossenschaften sind nicht «per se» schlechter oder besser als die von anderen Weinunternehmen», betonte der Geschäftsführer der Lauffener Weingärtner im Neckartal, Marian Kopp, kürzlich in einem Leserbrief der Fachzeitschrift «Weinwirtschaft».

«Wir legen Wert darauf, auch das Segment der Premium-Weine gut bedienen zu können», sagt Baltes für den Jubilar an der Ahr. «Wir sind eine Genossenschaft, die auf VDP-Niveau arbeitet» - VDP ist der 1910 gegründete Verband Deutscher Prädikatsweingüter mit 197 Weingütern und festgelegten Qualitätskriterien vom Gutswein bis zur «Großen Lage». Die Spätburgunder von Mayschoß-Altenahr werden im Barrique-Fass ausgebaut - «da müssen wir den Vergleich mit französischen Rotweinen nicht scheuen.»

Weitere Artikel aus der Kategorie: Wirtschaft

Arbeiter bauen ein Stahlbetonüberteil für die Erneuerung der Bahnbrücke über die Königsstraße in Nähe des Hauptbahnhofes in Hannover.
11.10.2019
Hannover
Die Deutsche Bahn will in den kommenden zehn Jahren bundesweit rund 2000 Eisenbahnbrücken mit einem Aufwand von 4,5 Milliarden Euro erneuern. Dies kündigte DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla bei der Inbetriebnahme der 875. seit 2015 sanierten Bahnbrücke an.
Dyson ist vor allem bekannt für seine beutellosen Staubsauger.
11.10.2019
London
Der Hausgeräte-Spezialist Dyson gibt seine ambitionierten Pläne für den Einstieg ins Geschäft mit Elektroautos auf.
Anleger profitierten auch von gestiegenen Kursen an den Aktienmärkten.
11.10.2019
Frankfurt/Main
Trotz Zinsflaute und Konjunkturabkühlung ist das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland in der Summe auf einen neuen Rekordwert gestiegen.
Unabhängige Erfinder melden immer weniger Patente an.
11.10.2019
München
Im vergangenen Jahr wurden nach einer Analyse des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA) in München noch 2800 der insgesamt 68.000 Patentanmeldungen von freien Erfindern eingereicht, die weder für ein Unternehmen arbeiten noch an eine sonstige Forschungseinrichtung gebunden sind.
Für das Gesamtjahr erwartet der BMW-Konzern weiterhin «eine leichte Absatzsteigerung».
11.10.2019
München
BMW hat seinen Absatz im September in allen Regionen weiter deutlich gesteigert. Mit einem Plus von zehn Prozent legte die Nachfrage nach Elektro- und Hybridfahrzeugen des Konzerns dabei am stärksten zu.
Gegenüber August 2019 blieben die Verbraucherpreise im September unverändert.
11.10.2019
Wiesbaden
Gesunkene Energiepreise haben die Teuerungsrate in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit Februar 2018 gedrückt. Die Verbraucherpreise stiegen im September im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,2 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt mit und bestätigte damit vorläufige Angaben.
Auf der Kippe: Renault-Generaldirektor Thierry Bolloré.
11.10.2019
Boulogne-Billancourt
Dem französischen Autobauer Renault steht aller Voraussicht nach ein Wechsel im Top-Management bevor.
Seit 2014 lenkte Bill McDermott die Geschicke von SAP an der Vorstandsspitze allein.
11.10.2019
Walldorf
Der seit 2010 amtierende SAP-Vorstandschef Bill McDermott tritt überraschend zurück. Die Vorstandsmitglieder Jennifer Morgan und Christian Klein sollen als Führungsduo mit sofortiger Wirkung seine Nachfolge antreten und Europas größten Softwarehersteller führen, teilt SAP mit.
Lime-Deutschland-Chef Jashar Seyfi: «Es ist einfach eine wahnsinnige Masse an Unternehmen, die gerade versuchen, in diesem Scooter-Business mitzumischen.».
11.10.2019
Berlin
Angesichts der steigenden Zahl an E-Tretrollern braucht es nach Einschätzung des Deutschland-Chefs der Ridesharing-Plattform Lime eine neue Infrastruktur.
Die EU-Kommission hatte im Sommer Vodafone die Übernahme von Unitymedia genehmigt.
10.10.2019
Düsseldorf
Vodafone will nach der Übernahme des Kabelnetzbetreibers Unitymedia in den kommenden zwei Jahren Personalkosten von bis zu 135 Millionen Euro einsparen.
Investoren beobachten die Aktienkurse am Aktienmarkt. Vor Gesprächen zur Lösung des Handelskrieges zwischen den USA und China, den beiden größten Volkswirtschaften, rutschten die Aktien in Asien ab.
10.10.2019
Washington
Die USA und China haben in ihrem Bemühen um ein umfassendes Handelsabkommen neue Gespräche begonnen.
Angela Merkel (CDU), Bundeskanzlerin, spricht beim Ordentlichen Gewerkschaftstag der IG Metall.
10.10.2019
Nürnberg
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei der IG Metall das Klimapaket der Bundesregierung verteidigt. «Wir werden vor allem staatliche Anreize setzen», sagte sie vor den Delegierten des Gewerkschaftstages in Nürnberg.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • 11.10.2019
    Offenburg
    Sorgenfrei zur Traumküche, von der Planung bis zur Montage, begleitet von erfahrenen Profis – das bietet die Streb-Küchenwelt in Offenburg. Der verkaufsoffene Sonntag am 13. Oktober ist die ideale Gelegenheit für eine entspannte Beratung vor Ort.
  • 08.10.2019
    Entspannung ist im hektischen Alltag immer wichtiger. Die volle Entspannung finden Sie im Nationalpark-Hotel Schliffkopf auf den Höhen der Schwarzwaldhochstraße. Mit der Kombination aus hochwertigen Pflegeprodukten und einer einzigartigen Landschaft, können Kunden voll vom Alltag abschalten.
  • 04.10.2019
    Im Oktober in Südbaden
    Das Braun Möbel-Center bietet Wohnmöbel in vielen Formen, Farben und Materialien. Vom 10. bis zum 12. bzw. 13. Oktober findet in neun Märkten in der Region die große Hausmesse statt.
  • 04.10.2019
    Ausgezeichnete Experten seit 30 Jahren
    Wenn es nicht nur gut werden soll, sondern perfekt, ist die erste Adresse für die besondere Küche: Küchen-Schindler in Achern. Leidenschaft, Präzision, Liebe und Akribie - mit diesen Merkmalen plant und gestaltet Küchen Schindler aus Achern seit 30 Jahren Küchen.