Hamburg

Wirtschaft erwartet steigende Preise für Frischfisch & Co.

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
05. September 2018
Makrelen liegen in einem Frischemarkt in Hamburg in der Auslage im Eis. Für den Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten geben die Verbraucher in Deutschland immer mehr Geld aus.

Makrelen liegen in einem Frischemarkt in Hamburg in der Auslage im Eis. Für den Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten geben die Verbraucher in Deutschland immer mehr Geld aus. ©dpa - Daniel Bockwoldt

Die Preise für Fische und Meeresfrüchte im deutschen Einzelhandel werden nach Einschätzung der Fischwirtschaft weiter steigen.

In asiatischen Ländern sei eine größer werdende Kundschaft bereit, für Fisch tiefer ins Portemonnaie zu greifen, berichtete der Vorsitzende des Fisch-Informationszentrums (FIZ), Thomas Lauenroth, in Hamburg. Das internationale Marktgeschehen mit steigender Nachfrage habe Auswirkungen auf den deutschen Markt, denn rund 87 Prozent des deutschen Marktes werden durch Einfuhren gedeckt.

Für den Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten haben die Verbraucher in Deutschland schon in den vergangenen beiden Jahren mehr Geld ausgegeben. 3,9 Milliarden Euro ließen sie hierfür 2017 im Einzelhandel - rund 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Der durchschnittliche Verkaufspreis für Fisch und Fischprodukte war nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2017 um 3,8 Prozent gestiegen und damit stärker als der für Nahrungsmittel insgesamt (3,0 Prozent).

Der deutsche Einzelhandel verkaufte 2017 rund 413.500 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte, 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Beliebt auf dem Speiseplan sind weiterhin Lachs, Alaska-Seelachs, Hering, Thunfisch und Forellen, auf die rund drei Viertel des Verzehrs entfallen. Am liebsten greifen die Verbraucher zu Fischkonserven und Marinaden, die sich mit einem Marktanteil von 28 Prozent vor Tiefkühlfisch (25 Prozent) schoben.

Aber auch Frischfisch und aufgetauter Fisch gewinnen wieder in der Gunst der Verbraucher und liegen mit 12 Prozent Marktanteil erstmals vor Räucherfisch (11 Prozent). Räucherfisch habe sich in den ersten sieben Monaten dieses Jahres verglichen zur Vorjahresperiode um 5,6 Prozent auf 18,25 Euro je Kilo verteuert, sagte FIZ-Geschäftsführer Matthias Keller. Das akzeptierten manche Verbraucher nicht mehr. Frischer und aufgetauter Fisch koste derzeit durchschnittlich 14 Euro je Kilo, vier Euro mehr als der Durchschnittspreis für Fischwaren.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace mahnt seit Jahren die Verbraucher, Fisch als Delikatesse zu betrachten, die man nur zu besonderen Anlässen esse. Für die Naturschützer sind die Meere überfischt. Sie verlangen großflächige Schutzgebiete und ein nachhaltiges Fischereimanagement, damit sich Fischbestände erholen können. «Ein Bestand ist gesund, wenn er langfristig stabil bleibt und sich nach Befischung wieder regeneriert», schreiben sie im Internet. Auch Aquakulturen wie in Norwegen oder Chile werden von Greenpeace nicht gutgeheißen. «Der beliebte Lachs aus konventioneller Aquakultur bedeutet Massentierhaltung mit allen Konsequenzen: giftige Chemikalien, Tierqual, Umweltverschmutzung», hatte Meeresbiologe Thilo Maack erläutert.

- Anzeige -

Weil das FIZ beim Verzehr außer Haus - in Imbissen, Gaststätten und Restaurants - einen Rückgang ermittelte, ging auch der Pro-Kopf-Verbrauch von nachberechneten 14,4 Kilogramm (2016) auf 13,5 Kilogramm (vorläufige Zahl) zurück. Angesichts jährlich starker Schwankungen sei dieser Wert kaum aussagekräftig, teilte das FIZ mit.

Kabeljau-Fischern drohen kräftige Einschnitte

Was im nächsten Jahr auf den Fischteller kommt, wird in diesem Oktober auch von den für die Fischerei zuständigen EU-Ministern mit entschieden. Geht es nach den bisherigen Vorschlägen, sollen Fischer 2019 mehr Scholle und Dorsch aus der westlichen Ostsee ziehen dürfen, aber - zum Schutz der Bestände - weniger Hering. Den Kabeljau-Fischern an der Nordsee drohen für 2019 kräftige Einschnitte. Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert, dass Kabeljau zu häufig als Beifang in den Netzen lande, was die Art gefährde. Wird trotz hoher Nachfrage nach diesen Fischarten weniger gefangen, drückt das die Preise weiter nach oben.

In der deutschen Fischwirtschaft sind fast 42.200 Menschen beschäftigt - vom Bordpersonal auf Fangfischen über die fischverarbeitende Industrie und den Handel bis zur Gastronomie.

Weitere Informationen zum Thema:

Weitere Artikel aus der Kategorie: Wirtschaft

Ein Fischer holt auf einem Fischkutter gefangene Heringe aus dem Stellnetz.
Rostock/Sassnitz
vor 3 Stunden
Die Heringsfischer in der westlichen Ostsee dürfen ihre Fänge ab sofort nicht mehr als Öko-Fisch verkaufen.
Offenburg/Essen
vor 4 Stunden
Der Offenburger Medienkonzern Hubert Burda Media will ab Frühjahr 2019 mit der neuen Apotheken-Kundenzeitschrift »My Life« den Platzhirsch »Apotheken Umschau« angreifen. Mit »Mylife« wird Burda seine Tiefdruckerei in Offenburg beschäftigen.
In diesem Jahr werde die Apfelernte bei 1,1 Millionen Tonnen liegen.
Wiesbaden
vor 7 Stunden
Dank des außergewöhnlich warmen Frühjahres dürften Obstbauern hierzulande eine reiche Apfel- und Birnenernte einfahren.
Zigarettenschachteln mit Schockbildern liegen auf einem Tresen in einem Kiosk.
Dortmund
vor 7 Stunden
Trotz Schockbildern und anderer Gesundheitswarnungen hat die Tabakindustrie gute Geschäfte gemacht.
Bau von Eigentumswohnungen im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg.
Berlin
vor 7 Stunden
Trotz Wartezeiten für Bauherren sehen sich die Bauunternehmen gerüstet, mehr neue Wohnungen zu errichten.
Nach Einschätzung des Branchenverbandes Dehoga steuert das Gastgewerbe 2018 auf das neunte Rekordjahr in Folge zu.
Wiesbaden
vor 7 Stunden
Deutschlands Gastwirte und Hoteliers haben im Juli erneut bessere Geschäfte gemacht. Hotels und Pensionen sowie Gaststätten und Caterer steigerten den Umsatz insgesamt um 2,0 Prozent gemessen am Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.
Mitarbeiter der Peitzer Edelfisch GmbH ziehen an langen Holzstangen ein Netz durch einen fast abgelassenen Karpfenteich.
Dresden/Peitz
vor 10 Stunden
Auf so manchem Teller wird in dieser Saison voraussichtlich ein kleinerer Karpfen landen. Das Abfischen der Teiche in den großen Karpfenregionen Deutschlands steht kurz bevor oder ist bereits angelaufen.
Kippenheim
vor 16 Stunden
Die Schneeweiss AG Interior, Mutterkonzern der auf Möbel und Inneneinrichtung spezialisierten Firmen Hiller und Rosconi, wird in einen modernen Neubau am Standort Kippenheim investieren.
Berlin
vor 16 Stunden
Die Bundesregierung lädt am Freitag zum »Wohngipfel« ein. Was tun gegen hohe Mieten und knappen Wohnraum im Land? Um diese zentrale Frage soll es bei dem Mega-Treffen ab 12 Uhr im Berliner Kanzleramt gehen. Fundamentale Neuigkeiten sind allerdings kaum zu erwarten.
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier während der Pressekonferenz zum «Netzgipfel».
Berlin
vor 22 Stunden
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat sich auf dem «Netzgipfel» mit seinen Länderkollegen auf eine Doppelstrategie zum beschleunigten Netzausbau verständigt. «Wir brauchen mehr Stromnetze und zügig», sagte Altmaier in Berlin nach einem Spitzentreffen.
Bügel der Modekette Tom Tailor hängen in einer Show-Filiale in der Zentrale der Modekette in Hamburg.
Hamburg
20.09.2018
Die Modekette Tom Tailor muss wegen des heißen Sommers, hoher Rabatte und Problemen mit der Marke Bonita zurückrudern. Im laufenden Jahr erwartet der Vorstand einen Umsatzrückgang von bis zu neun Prozent auf 840 bis 860 Millionen Euro, wie das Unternehmen in Hamburg mitteilte.
Ryanair liegt europaweit mit Piloten und Flugbegleitern im Streit über Löhne und Arbeitsbedingungen.
Frankfurt/Dublin
20.09.2018
Angesichts andauernder Tarifkämpfe bei Ryanair hat die deutsche Pilotengewerkschaft VC ein komplett neues Management bei dem irischen Billigflieger gefordert.