Serie "Arbeitsmarkt ohne Grenzen"

Neuanfang im Nachbarland

Autor: 
Reinhard Reck
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
07. März 2017

(Bild 1/2) »Wir haben genau die Leute bekommen, die wir brauchen«: Frigosped-Niederlassungsleiter Sascha Braun (Mitte) mit Dominique Lachmann (links) und Marc Duchmann in ihrem Kehler Büro. ©Peter Heck

Vor vier Jahren wurde in Kehl der deutsch-französische Service für grenzüberschreitende Arbeitsvermittlung eingeweiht. Im vierten Teil unserer Serie »Arbeitsmarkt ohne Grenzen« stellen wir zwei Elsässer vor, die durch die Einrichtung in Kehl einen neuen Job bekommen haben.
 

Kehl. Der Rhein ist nicht weit weg von dem modernen Komplex mit den großen Lagerhallen der Kehler Niederlassung des Logistikunternehmens Frigosped. So erstaunt es nicht, dass die Firma einen Großteil ihrer Aktivitäten auf das Nachbarland Frankreich ausrichtet. Und es ist nicht verwunderlich, dass viele Elsässer dort beruflich tätig sind. »Rund zehn unserer insgesamt 62 Mitarbeiter kommen von jenseits der Grenze«, erklärt Niederlassungsleiter Sascha Braun. Und in der Tat wird in dem Großraumbüro, wo die internationalen Transporte koordiniert werden, viel Französisch gesprochen.
Seit Jahren hat Braun Kontakte mit der Kehler Servicestelle für grenzüberschreitende Arbeitsvermittlung, um neue Fachkräfte zu rekrutieren. »Wir sind ein stark spezialisiertes Unternehmen und haben deswegen sehr konkrete Vorstellungen von den Kompetenzen, die unsere Mitarbeiter mitbringen sollten«, so Braun. Frigosped koordiniert in der Hauptsache internationale Transporte sogenannter temperaturgeführter sensibler Güter – also etwa Lebensmittel, auch Süßwaren, allerdings kein Obst und Gemüse. Und im August vergangenen Jahres stellte Braun nach einem Kontakt mit der Kehler Servicestelle die beiden Elsässer Dominique Lachmann und Marc Duchmann für ein neues Geschäftsfeld ein, das deutlich die Komplexität der deutsch-französischen Handelsbeziehungen zeigt: Frigo­sped managt – im Auftrag eines deutschen Partners – in Frankreich den Transport von Wein und Champagner von den Erzeugern zu dortigen Handelsketten. Da sich die Aktivitäten gut entwickeln, brauchte man mehr Fachkräfte.
Mit dem 45-jährigen Straßburger Dominique Lachmann hat Niederlassungsleiter Braun einen erfahrenen Mann gefunden. »Ich bin zweisprachig aufgewachsen und habe mich schon früh für eine Tätigkeit in Deutschland interessiert«, so Lachmann. Nach dem Studium von Deutsch und Englisch im Straßburger Fachbereich »Angewandte Fremdsprachen« leistete er seinen Wehrdienst im Pressebüro der damals in Baden-Baden ansässigen französischen Streitkräfte ab – als in vielen Städten in Baden noch die »Forces Françaises en Allemagne« (FFA) stationiert waren. Dann arbeitete er als Dolmetscher für ein französisches Bauunternehmen auf deutschen Baustellen, um schließlich einen Job bei einer Offenburger Spedition zu bekommen. Als er dort nach einiger Zeit seine Arbeitsstelle verlor, schrieb er sich bei der Kehler Vermittlungsstelle ein – und bekam so Kontakt zu Frigosped, wo er nun als Disponent arbeitet.
Auch der 47-jährige Marc Duchmann aus Weyersheim nördlich von Straßburg hatte nach einer Ausbildung zum Speditionskaufmann im Elsass lange Jahre für Logistikunternehmen in Baden gearbeitet, bevor er – nach vorübergehender Arbeitslosigkeit und Kontaktaufnahme zu der grenzüberschreitenden Vermittlungsstelle in Kehl – zu Frigosped kam und nun seinen Schreibtisch neben dem von Dominique Lachmann hat.
So haben beide auf deutscher Seite eine neue Perspektive bekommen. An ihrem Arbeitsplatz fühlen sie sich wohl. »Die Badener und die Elsässer sind sich sowieso sehr ähnlich«, meint Lachmann – und fügt schmunzelnd hinzu: »Wir vertragen uns gut.« Es sei allerdings nicht mehr so, dass die Gehälter in Deutschland grundsätzlich deutlich höher seien als auf der anderen Rheinseite, sagt Duchmann. »Aber in Deutschland gibt es – zumindest in meiner Branche – viel mehr Arbeitsmöglichkeiten.«
Der Chef Sascha Braun ist ebenfalls zufrieden: »Wir brauchen Fachkräfte aus Frankreich, um einen ganz speziellen Markt bedienen zu können.« Ein großer Vorteil für ihn: Lachmann und Duchmann sind nicht nur zweisprachig, sondern verfügen über eine große berufliche Erfahrung in der Branche; es waren also keine aufwendigen Weiterbildungen oder Schulungen notwendig. »Durch den Kontakt zum Kehler Service für grenzüberschreitende Arbeitsvermittlung haben wir genau die Leute bekommen, die wir brauchen.« Dass beide keine entsprechende Berufsausbildung in Deutschland absolviert haben, dass Lachmann strenggenommen sogar gar keinen Abschluss in der Branche vorweisen kann, ist für Braun von eher geringer Bedeutung: »Was zählt, ist die berufliche Erfahrung.«
»Seit Beginn unseres grenzüberschreitenden Vermittlungsservices konnten schon 719 Arbeitssuchende aus Frankreich einen Arbeitsplatz in der Ortenau finden«, ergänzt Norbert Mattusch, Stabstelle für grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Agentur für Arbeit, zufrieden.
Nach ihrem Arbeitstag fahren Duchmann und Lachmann abends auch gerne wieder über die Grenze zurück, um im Heimatland ihren Feierabend zu verbringen: »Das genieße ich dann auch«, so Dominique Lachmann.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Wirtschaft

Richard Yu, Chef des Verbrauchergeschäfts von Huawei, präsentiert während einer Pressekonferenz die neue Smartphone-Serie Mate 30/30 Pro.
vor 9 Stunden
München
Huawei hat am Donnerstag sein neues Top-Smartphone Mate 30 vorgestellt - dabei nichts zur Verfügbarkeit der Geräte gesagt. Zugleich wurden bei der Präsentation in München nur Euro-Preise der Geräte genannt, was zumindest auf Pläne für eine Markteinführung in Europa hinweist.
Ein Volkswagen Tiguan vor dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg
vor 9 Stunden
Wirtschaft
Wolfsburg/Stuttgart (dpa) - Volkswagen und Porsche müssen wegen eines Problems mit Airbags und Gurtstraffern knapp 227.000 Autos zurückrufen.
Möglicherweise bekomme Ryanair die ersten Max-Jets erst im März oder April. Die üblichen Anzahlungen an Boeing habe die Fluglinie bereits gestoppt und verhandele mit dem Hersteller über eine finanzielle Entschädigung.
vor 9 Stunden
Dublin
Das Flugverbot für Boeings Mittelstreckenjet 737 Max stimmt Europas größten Billigflieger Ryanair immer pessimistischer.
Die Weltwirtschaft dürfte im Jahr 2019 laut der OECD nur noch um 2,9 Prozent wachsen.
vor 9 Stunden
Paris
Die Industrieländer-Organisation OECD erwartet im laufenden Jahr das niedrigste Wachstum der Weltwirtschaft seit der globalen Finanzkrise.
Eine Wohnanlage in Berlin: Während die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser kaum sank, gab es bei Zwei- und Mehrfamilienhäusern jeweils ein hohes Minus von 4,1 Prozent.
vor 15 Stunden
Wiesbaden
Für die Wohnungsnot in vielen deutschen Städten ist weiter wenig Entspannung in Sicht. Trotz hoher Immobiliennachfrage sind erneut weniger Baugenehmigungen erteilt worden, teilte das Statistische Bundesamt mit.
Ein Fernseher an der New Yorker Börse überträgt die Nachricht, nachdem die US-Notenbank ihre Zinsänderung bekannt gegeben hat.
vor 15 Stunden
Washington
Die Auswirkungen der von Präsident Donald Trump angezettelten Handelskonflikte haben entscheidend zur jüngsten Zinssenkung der US-Notenbank Fed beigetragen.
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg.
vor 15 Stunden
Luxemburg
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) fällt heute (9.30 Uhr) in Luxemburg ein richtungsweisendes Urteil für Autobesitzer.
Mitarbeiter des IBAMA, der brasilianischen Umweltbehörde, stehen vor einem Brand in der Region Manicoré im Amazonasgebiet.
vor 17 Stunden
Rio de Janeiro
Angesichts der verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet entdecken immer mehr Unternehmen ihr grünes Gewissen.
Nach der Genua-Katastrophe vor mehr als einem Jahr hatte die Polizei auch andere Autobahnbrücken aus dem Autostrade-Netz unter die Lupe genommen.
18.09.2019
Rom
Mehr als ein Jahr nach dem Einsturz der Autobahnbrücke in Genua mit 43 Toten ist der Vorstandschef der italienischen Holding Atlantia zurückgetreten - und bekommt eine Abfindung in Millionenhöhe.
Hubertus Heil (SPD, r), Bundesarbeitsminister, besucht eine Zustellbasis der Deutschen Post (DHL) in Berlin Marzahn.
18.09.2019
Berlin
Paketboten sollen per Gesetz besser vor Ausbeutung geschützt werden. Das Bundeskabinett beschloss dazu in Berlin das sogenannte Paketboten-Schutz-Gesetz von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD).
Leere PET-Mehrwegflaschen für Mineralwasser stehen auf einem Transportband einer Abfüllanlage.
18.09.2019
Berlin
Bergeweise Verpackungs- und Plastikmüll sehen viele Bürger als wichtiges Umweltproblem. Getränke tragen dazu viel bei - trotzdem hat der Einweg-Anteil weiter zugenommen. Selbst eine echte Mehrweg-Hochburg ist vom Trend betroffen, wie neue Zahlen zeigen.
Verbraucherschützer haben die Praxis mancher Versicherer kritisiert, Riester-Sparer in bestimmten Fällen doppelt zur Kasse zu bitten.
18.09.2019
Hamburg/Frankfurt
Riester-Sparer werden Verbrauchschützern zufolge in manchen Fällen doppelt zur Kasse gebeten.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • 10.09.2019
    Feiern in Dirndl und Lederhose
    Fürs Oktoberfest nach München fahren? Das muss nicht sein! Denn die »Wunderbar« in Neuried-Altenheim holt das Event am 2. und 5. Oktober stilecht in die Ortenau – im beheizten Zelt mit Maßbier, Haxn und Live-Band.
  • 06.09.2019
    Die Edelbrennerei Wurth in Neuried-Altenheim feiert Mitte September ihr 100-jähriges Bestehen. 
  • Auch eine neue Brennerei wird am 14. September eingeweiht und vorgestellt.
    30.08.2019
    Am 14. und 15. September
    Die Edelbrennerei Wurth in Neuried-Altenheim feiert Mitte September ihr 100-jähriges Bestehen. Dafür öffnet Inhaber Markus Wurth ein Wochenende lang seine Tore und bietet außerdem exklusive Editionen seiner Kreationen an. 
  • 28.08.2019
    Relaxen und Genießen im Renchtal
    Das Ringhotel Sonnenhof in Lautenbach im Renchtal begrüßt seine Gäste mit einer einzigartigen Kulisse am Fuße des Schwarzwaldes. Ob im Restaurant, bei den Spa-Angeboten, für Tagungen oder Hochzeiten – der Sonnenhof ist die ideale Adresse zum Relaxen und Genießen.