Interview der Mittelbadischen Presse

»Schäuble-Bonds« fürs Altenteil

Autor: 
Stefan Vetter
Lesezeit 3 Minuten
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05. Dezember 2015

Weitschaftsweiser Peter Bofinger. ©dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Geldhahn weiter aufgedreht, um die Wirtschaft anzukurbeln. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sieht wegen der Niedrigzinsen die private Altersvorsorge in Gefahr und regt staatlich bezuschusste »Schäuble-Bonds« an, um das Manko auszugleichen.

Herr Bofinger, Mini-Leitzins und eine satte Geldschwemme in den Märkten – ist der Sparer nun endgültig der Dumme?
Peter Bofinger: Die Zeiten für Sparer sind in der Tat hart. Immerhin ein Fünftel der Ersparnisse werden in zinslosen Sichteinlagen gehalten. Gleichzeitig ist aber auch die Inflation nahe Null. Das heißt, die Leute verlieren gar nicht so viel Geld, wie man glaubt. In den 70er- und 80er-Jahren hatten wir noch Inflationsraten von fast sieben Prozent. Wer damals sein Geld unverzinslich angelegt hat, der hat jedes Jahr sieben Prozent verloren.
Wie sollten sich Sparer jetzt verhalten?
Bofinger: Da gibt es keinen Königsweg. Sicher kann man sein Geld in Aktienmärkten anlegen. Das muss man auch tun.
Viele Anleger flüchten in »Betongold«. Gerade der Immobilien-Boom hat aber die letzte Finanzkrise maßgeblich mit verursacht ...
Bofinger: Solche Entwicklungen sind in Deutschland nicht zu befürchten. Einfach deswegen, weil es bei uns nicht diese extrem hohe Kreditfinanzierung gibt, wie seinerzeit in Spanien, Irland oder den USA. Die Banken in Deutschland sind weiter konservativ bei der Beleihung. Und auch die Preisentwicklung bei den Immobilien in Deutschland ist weit von den Verhältnissen solcher Staaten entfernt.
Im Vergleich zu früheren Jahren hat sich die Zinsbelastung für den Bund aktuell nahezu halbiert. Wie könnte der Bürger von dieser Ersparnis profitieren?
Bofinger: Die Bundesregierung sollte schon darüber nachdenken, die Zinseinsparungen den Bürgern zurückzugeben. Eine Möglichkeit wäre die Wiedereinführung der Eigenheimzulage, um die Anschaffung von selbst genutztem Wohneigentum zu fördern. Bürgern, die in einer Wohnung leben und diese gern kaufen möchten, würde das auch helfen, sich gegenüber Käufern mit spekulativen Absichten zu behaupten. Eine andere Möglichkeit wäre, den Sparer-Pauschbetrag zu erhöhen.
Das Zinstief hat auch negative Auswirkungen für die private Altersvorsorge. Wie könnte man hier gegensteuern?
Bofinger: Man könnte Staatsanleihen mit einem Aufschlag von, sagen wir, zwei Prozent, über den üblichen Marktzins ausgeben. Solche Anleihen mit Bindung für die Altersvorsorge könnten »Schäuble-Bonds« heißen.
Schäuble-Sparen statt Riester-Sparen?
Bofinger: Nein, die »Schäuble-Bonds« könnten im Rahmen des Riester-Sparens angeboten werden. Und auch für die Riester-Rente selbst müssten die staatlichen Zulagen erhöht werden. Wir haben doch auch das grundsätzliche Problem, dass die gesetzliche Rentenversicherung in Zukunft deutlich weniger zur Alterssicherung beiträgt, als das jetzt noch der Fall ist. Das ist auch wegen der Demografie unvermeidlich. Deshalb muss man auch andere Wege gehen.
Wie lange wird die EZB-Politik des billigen Geldes noch andauern?
Bofinger: Ich fürchte, die wird noch lange andauern. Und zwar schon deshalb, weil die niedrige Inflationsrate wesentlich durch die hohe Arbeitslosenrate im Euro-Raum bedingt ist. Dadurch wiederum steigen die Löhne kaum. Und wenn die Löhne nicht steigen, dann steigen die Preisen auch nicht. Und dann gibt es auch kein Wachstum.
Gibt es Alternativen, um das Problem zu lösen?
Bofinger: Ja, man müsste die Nachfrage stimulieren. Dazu könnten die EU-Mitgliedsstaaten ein gemeinsames Investitionsprogramm auflegen, um das Wachstum durch Investitionen etwa in Infrastruktur oder Bildung anzukurbeln.

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