Detroit/Wolfsburg

Abgas-Skandal: Sieben Jahre Haft für VW-Manager in den USA

Autor: 
dpa
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
07. Dezember 2017
Richter Cox wurde seinem Ruf gerecht und verhängte die Höchststrafe gegen den langjährigen VW-Mitarbeiter.

Richter Cox wurde seinem Ruf gerecht und verhängte die Höchststrafe gegen den langjährigen VW-Mitarbeiter. ©dpa - Hannes Breustedt

Mit sieben Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 400.000 Dollar (338.000 Euro) muss der frühere VW-Manager Oliver Schmidt in den USA für seine Rolle im Abgas-Skandal büßen.

Richter Sean Cox verurteilte ihn am Mittwochnachmittag (Ortszeit) in Detroit wegen Verschwörung zum Betrug und Verstoßes gegen Umweltgesetze. Dabei schöpfte das Gericht das volle mögliche Strafmaß aus.

Schmidt saß bereits seit Jahresbeginn in Untersuchungshaft. Er war zuvor von FBI-Agenten vor dem Rückflug aus einem Winterurlaub nach Deutschland in Miami festgenommen worden und ist nun der zweite langjährige VW-Mitarbeiter, der in den USA eine harte Strafe erhält.

Schmidt streitet seinen Mittäterschaft ab

In seiner damaligen Leitungsfunktion für Umweltfragen in den Vereinigten Staaten zwischen Februar 2012 und März 2015 hat sich Schmidt nach Überzeugung des Gerichts der Vergehen schuldig gemacht. Sein Anwalt David DuMouchel hatte auf eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und vier Monaten sowie eine Geldstrafe von 100.000 Dollar plädiert. Immerhin soll dem Verurteilten aber nun noch die Zeit angerechnet werden, die er inzwischen in U-Haft verbracht hat.

Schmidt hatte seine Mittäterschaft rund um «Dieselgate» zunächst abgestritten. Im August bekannte sich der 48-jährige Deutsche dann jedoch schuldig und ging einen Deal mit der Staatsanwaltschaft ein. Dadurch wurden mehrere Anklagepunkte gestrichen, das Strafmaß hätte für ihn sonst noch höher ausfallen können. Ein Antrag auf Kaution wurde abgelehnt. Vor Schmidt wurde der VW-Ingenieur James Liang verurteilt. Er hatte als Kronzeuge mit den Ermittlern kooperiert.

Harte Strafe auch für Liang

- Anzeige -

Auch Liangs Strafe war mit drei Jahren und vier Monaten Gefängnis sowie einer Geldstrafe von 200.000 Dollar überraschend hart. Insgesamt sind im Zusammenhang mit der Abgas-Affäre in den USA bislang Anzeigen gegen acht amtierende und frühere Mitarbeiter des VW-Konzerns vom Justizministerium öffentlich gemacht worden.

Der Wolfsburger Autobauer hatte im September 2015 nach Vorwürfen der US-Umweltbehörden und Recherchen von Wissenschaftlern eingeräumt, mit einer speziellen Software in großem Stil Abgastests manipuliert zu haben. Die rechtlichen Konsequenzen auf Konzernebene sind durch Vergleiche mit Klägern in Nordamerika, für die VW inzwischen mehr als 25 Milliarden Euro an Kosten für Strafen und Entschädigungen verbucht hat, großteils abgeschlossen. Ein Gesamtvergleich zu strafrechtlichen Punkten sorgte Anfang 2017 ebenfalls für Entlastung. Doch US-Behörden versuchen mit Hochdruck, darüber hinaus die individuelle Schuld einzelner Personen zu prüfen und diese zu Verantwortung zu ziehen.

Die meisten Beschuldigten dürften für die Ermittler jedoch schwer zu fassen sein. Sie werden in Deutschland vermutet, von wo aus ihnen wohl vorerst keine Auslieferung droht. Angeklagt in den USA ist etwa der ehemalige Entwicklungschef der Marke VW, Heinz-Jakob Neußer.

Fast 40 Beschuldigte in Deutschland

Auch in Deutschland laufen zahlreiche strafrechtliche Verfahren im Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal. Unter anderem ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Verdachts auf Betrug und Marktmanipulation. Allein in diesen Fällen geht es - einschließlich eines Verfahrens gegen Ex-Konzernchef Martin Winterkorn - um fast 40 Beschuldigte. Gegen sechs weitere Personen laufen Untersuchungen im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Hinzu kommen Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter, der zur Datenlöschung aufgerufen haben soll.

In Stuttgart hat der Verdacht der Marktmanipulation wegen einer womöglich zu späten Information der Finanzwelt durch VW im Herbst 2015 ebenfalls Staatsanwälte auf den Plan gerufen. Auch der aktuelle Konzernchef Matthias Müller sowie der Ex-VW-Finanzvorstand und heutige Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sind im Visier. Zuvor hatten schon die Braunschweiger Strafverfolger solche Untersuchungen gestartet - dort außerdem gegen VW-Kernmarken-Chef Herbert Diess. Volkswagen ist der Überzeugung, alle Regeln eingehalten zu haben.

Staatsanwälte prüfen zudem Vorwürfe gegen Mitarbeiter von Porsche und Audi. Anklagen gibt es hierzulande bisher aber nicht. Auch in vielen anderen Ländern laufen straf- und zivilrechtliche Untersuchungen.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Wirtschaft

Ryanair hatte bereits Anfang Oktober seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr gesenkt.
Dublin
vor 20 Minuten
Der Billigflieger Ryanair muss den ersten Gewinnrückgang seit fünf Jahren verdauen. Der Gewinn sank im ersten Geschäftshalbjahr um 7 Prozent auf 1,20 Milliarden Euro, wie das Unternehmen in Dublin mitteilte.
Beim Stahlgipfel geht um den Erhalt von Standorten und Zehntausenden Jobs.
Saarbrücken
vor 22 Minuten
Beim ersten Nationalen Stahlgipfel wollen die Bundesländer mit Stahlproduktion ihre Kräfte bündeln. Zu dem Treffen in Saarbrücken werden Vertreter der Branche sowie der Landesregierungen aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und dem Saarland erwartet.
Das Logo von Volkswagen auf einer Motorabdeckung eines VW Golf 2,0 TDI.
Berlin
vor 1 Stunde
Wer einen Diesel fährt, konnte zuletzt fast nur verlieren: Abgasbetrug, Werkstattbesuche, dramatischer Wertverlust auf dem Gebrauchtwagenmarkt, jetzt auch noch Fahrverbote.
In vielen Städten wie Frankfurt, Stuttgart oder wie hier in Berlin ist die Luft zu stark mit Schadstoffen belastet. An vielen Stellen wird der Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten.
Berlin
vor 1 Stunde
Die Verhängung von Diesel-Fahrverboten wegen zu schmutziger Luft in deutschen Städten soll nach dem Willen von Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel per Gesetz erschwert werden.
Die Flaggen Italiens und der Europäischen Union wehen in Rom. Im Streit um die neuen Haushaltspläne der italienischen Regierung ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Rom/Brüssel
vor 1 Stunde
Italiens Finanzminister Giovanni Tria will der EU-Kommission heute die heftig umstrittene Schuldenpolitik der Regierung erläutern. Bis zum Mittag hat die Brüsseler Behörde nähere Angaben zur geplanten deutlich höheren Neuverschuldung erbeten.
Nach einer Klage der Deutschen Umwelthilfe wird sich das Mainzer Verwaltungsgericht mit einem möglichen Fahrverbot beschäftigen.
Mainz/Frankfurt
vor 15 Stunden
Das Diesel-Paket der Bundesregierung lässt für den Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling noch viel zu wünschen übrig - seine Stadt könnte das nächste Fahrverbot treffen.
Joe Kaeser ist Vorstandsvorsitzender von Siemens.
Bagdad/München
vor 23 Stunden
Siemens hat sich gegen den US-Konkurrenten General Electric (GE) im Ringen um ein Milliarden-Geschäft im Irak durchgesetzt.
Reife Äpfel hängen an einem Baum.
Hannover
21.10.2018
Die Apfelernte in Norddeutschland ist so gut wie abgeschlossen - und eine erste Bilanz der Obstbauern fällt positiv aus. Auch Verbraucher können sich freuen: Mit steigenden Preisen muss nicht gerechnet werden, sagte Helwig Schwartau von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft in Hamburg.
Ein Küstenschutzboot für Saudi-Arabien wird im Sassnitzer Hafen Mukran auf ein Transportschiff verladen.
Berlin
21.10.2018
Nach der von Saudi-Arabien eingestandenen Tötung des regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi stellt die SPD die Beziehungen Deutschlands zu dem Königreich grundsätzlich in Frage - und insbesondere weitere Waffenlieferungen in das autoritär regierte Land.
Karlsruhe
19.10.2018
An eine flachere Wachstumskurve im deutschen Markt hat sich die Drogeriemarktkette dm bereits gewöhnt. Nach der Schlecker-Insolvenz vor sechs Jahren ist der Kuchen hierzulande verteilt, doch die Expansion der Karlsruher wird auch vom Bauboom gebremst.
Oberkirch
19.10.2018
Rückläufige Kundenabrufe hinterlassen ihre Spuren in der Bilanz des Automobilzulieferers Progress-Werk Oberkirch (PWO). Wie das börsennotierte Unternehmen am Freitag mitteilte, rechnet es im Gesamtjahr mit einem Umsatz zwischen 475 und 480 Millionen Euro. Bisher hatte das PWO-Management die Marke...
Der Daimler-Konzern erwartet in diesem Jahr einen geringeren Gewinn als bisher angenommen.
Stuttgart
19.10.2018
Dem Autobauer Daimler machen zunehmend die Ausgaben für die Diesel-Krise zu schaffen. Das Unternehmen rechnet unter anderem wegen der kostspieligen Software-Updates für die betroffenen Autos mit erheblich weniger Gewinn.