Berlin

Zypries warnt vor «Lufthansa-Bashing»

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
07. Dezember 2017
Nach dem Ausscheiden von Air Berlin fehlen jeden Tag Zehntausende Plätze im Flugverkehr, sagte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries.

Nach dem Ausscheiden von Air Berlin fehlen jeden Tag Zehntausende Plätze im Flugverkehr, sagte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries. ©dpa -  Michael Kappeler

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries hat die Lufthansa angesichts von Vorwürfen der Preistreiberei nach dem Aus des Konkurrenten Air Berlin in Schutz genommen.

«Es gibt auch viel ungerechtfertigte Kritik an Lufthansa, manchmal sogar eine Art "Lufthansa-Bashing"», sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Nach Kundenbeschwerden hatte das Bundeskartellamt angekündigt, die Preispolitik zu prüfen. Die Lufthansa hatte sich gegen den Eindruck gewehrt, dass sie in der Folge der Air-Berlin-Pleite die Ticketpreise nach oben getrieben habe. Nach dem Ausscheiden von Air Berlin fehlen jeden Tag Zehntausende Plätze im Flugverkehr.

Management hat versagt

«Ich empfinde das manchmal als eine verdrehte Diskussion», sagte Zypries. «So hat beispielsweise niemand ein Interesse daran, dass 80 Flugzeuge lange Zeit am Boden stehen und nicht fliegen dürfen, denn das verknappt das Angebot und verteuert die Preise. Solange die Kartellprüfungen noch laufen, dürfen die Flieger aber nicht genutzt werden, da kann die Lufthansa nichts dafür.»

Die geschäftsführende Ministerin fügte hinzu: «Es geht manchmal schlicht unter, dass es das Management von Air Berlin in den vergangenen Jahren, ja fast Jahrzehnten, war, das es nicht geschafft hat, das Unternehmen positiv zu entwickeln. Das ist nicht die Schuld von Lufthansa.»

- Anzeige -

EU-Kommission prüft

Der deutsche Marktführer will mit den Teilgesellschaften LG Walter und Niki für 210 Millionen Euro einen erheblichen Teil des Flugbetriebs von Air Berlin mit 81 Jets und den dazugehörigen Verkehrsrechten übernehmen. Die EU-Kommission prüft derzeit, ob Wettbewerbsverzerrungen oder Nachteile für Verbraucher entstehen könnten. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte 1000 neue innerdeutsche Flügen pro Monat angekündigt, sobald die EU-Wettbewerbsbehörde grünes Licht für die Übernahme von großen Teilen von Air Berlin gebe. Dann würden sich auch die Preise wieder stabilisieren.

Zypries sagte mit Blick auf wettbewerbsrechtliche Bedenken der EU-Kommission: «Die EU-Kartellbehörde prüft natürlich unabhängig. Im Sinne der Beschäftigten hoffen wir aber, dass dies möglichst zügig vonstatten geht und am Ende eine gute und wettbewerbssichernde Lösung steht.» Sie hoffe, dass es am 21. Dezember eine Entscheidung gebe.

Lufthansa verzichtet auf Start- und Landerechte

Der Lufthansa-Konzern hatte im EU-Kartellverfahren weitgehende Zugeständnisse gemacht, um die Air-Berlin-Tochter Niki doch noch übernehmen zu dürfen. Mit dem Verzicht auf Start- und Landerechte will Lufthansa wettbewerbsrechtliche Bedenken der Kommission zerstreuen. Die Entscheidungsfrist auch zur Übernahme weiterer Teile der insolventen Air Berlin läuft bis zum 21. Dezember. Die EU-Kommission könnte sich aber auch noch für eine vertiefte Prüfung des Kartellantrags entscheiden, die dann noch einmal 90 Arbeitstage dauern würde.

Infos der EU-Kommission zur Übernahme

Weitere Artikel aus der Kategorie: Wirtschaft

General Electric befindet sich nach schlechten Erfahrungen in der Finanzkrise schon seit geraumer Zeit in einem tiefgreifenden Konzernumbau.
Boston
20.07.2018
Die kriselnde US-Industrie-Ikone General Electric (GE) hat im zweiten Quartal deutlich weniger verdient.
Ein Dieselmotor TDI in einem Audi.
Berlin
20.07.2018
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei der in der Koalition umstrittenen Frage technischer Diesel-Nachrüstungen eine Entscheidung bis Ende September angekündigt.
Weinlese in Württemberg.
Mainz
20.07.2018
Nach einem warmen Sommer wird die Traubenlese in diesem Jahr ungewöhnlich früh beginnen.
Bilfinger verlangt Millionenbeträge von früheren Top-Managern.
Mannheim
20.07.2018
Der Industriedienstleister Bilfinger fordert von zwölf ehemaligen Vorständen einen dreistelligen Millionenbetrag. Der Grund: Sie hätten keine ausreichenden Anti-Korruptionsregeln aufgestellt.
Freiburg
20.07.2018
Der Wirtschaftsverband WVIB hat seinen aktuellen Konjunkturbericht vorgelegt. Die Stimmung in den Unternehmen ist weiterhin gut, Umsätze und Erträge legen weiter zu.
Werbetafel des US-Einzelhandelskonzerns Walmart in Peking.
Peking
20.07.2018
Amerikanische Unternehmen in China spüren bereits die Auswirkungen des Handelskonflikts zwischen den USA und der Volksrepublik.
Microsoft kann sich weiter auf das lukrative Cloud-Geschäft mit IT-Diensten im Internet verlassen.
Redmond
20.07.2018
Der Software-Riese Microsoft hat Umsatz und Gewinn dank seines brummenden Cloud-Geschäfts kräftig gesteigert.
Die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) hat in diesem Jahr bereits zwei Mal den Leitzins angehoben.
Washington
19.07.2018
US-Präsident Donald Trump hat mit Kritik an der Leitzins-Erhöhung der Notenbank Federal Reserve (Fed) für Verwirrung gesorgt.
Der Franzose Christian Bittar arbeitete bei der Deutschen Bank in London und Singapur.
London
19.07.2018
Im Skandal um in großem Stil manipulierte Zinssätze haben in London zwei Ex-Händler von Großbanken mehrjährige Haftstrafen erhalten.
Comcast verfolge die Übernahme von Fox nicht länger und konzentriere sich stattdessen auf den britischen Bezahlsender Sky, teilte das Unternehmen mit.
Philadelphia
19.07.2018
Der US-Kabelkonzern Comcast gibt sich im Wettbieten mit Disney um große Teile von Rupert Murdochs Medienimperium 21st Century Fox geschlagen.
Breisach
19.07.2018
Der Badische Winzerkeller in Breisach kelterte aufgrund der Fröste 2017 weniger Wein, nimmt aber trotzdem mehr ein.
Wenn der Erhalt von Thyssenkrupp nicht gelänge, bedeute dies einen weiteren «Rückschlag gegen die Demokratiefeinde in Deutschland», sagt Sigmar Gabriel.
Essen
19.07.2018
Der frühere Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat angesichts der tiefen Krise von Thyssenkrupp vor einem «strukturpolitischen Erdbeben» gewarnt.